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Norwegen

Bilder (sortiert nach Aufnahmeort):





Eine kurze Einführung in die Eisenbahnwelt Norwegens

Hector Rail 161 auf der Minnesund bru

Streckennetz

Norwegens Eisenbahnnetz ist nicht groß. Das stimmt. Das Kursbuch der Norges Statsbaner (NSB) ist kaum größer als die Gebrauchsanweisung für eine Kaffeemaschine. Leider hat das Netz darüber hinaus auch seit den 60ern einige Stichstrecken verloren. Aber da ging es ja Resteuropa nicht anders. Nichtsdestoweniger gilt: Die wenigen Strecken, die es gibt, sind äußerst interessant. Außerdem sind die Strecken allesamt sehr lang, denn die Wege in diesem lang gestreckten Land sind weit.
Während der Südosten um Oslo ein dichtes Nahverkehrsnetz aufweist, zweigen von dort aus nur noch wenige Strecken ins weite Land ab. Um Oslo wird tüchtig ausgebaut, inzwischen ist dort vieles zwei- oder mehrgleisig. Hinter Drammen, Moss oder Hamar aber beginnt dann das norwegische Hinterland, wo Bahnstrecken grundsätzlich eingleisig, kompliziert trassiert und selten befahren sind. Die norwegische Landschaft ist sehr hinderlich für den Eisenbahnbau, da oft extreme Höhenunterschiede (mitunter von Meereshöhe auf über 1000m ü. NN) überwunden müssen. Zudem besteht im Winter der ständige Kampf mit dem Wetter (es gibt Jahre, da ist Finse, die höchste Station der Bergensbanen, auf 5m Höhe eingeschneit!). Um so schöner sind die Strecken, die man trotz der Berge und des Wetters gebaut hat. Gegen das, was man da gebaut hat, sind die Strecken um Oslo eher langweilig und unnorwegisch. Aber Oslo ist ja auch Hauptstadt und in mancher Beziehung nicht sehr norwegisch.

 


Ein kleines Streckennetz ...



Streckenkarte von Norwegen, rot sind elektrifizierte, schwarz sind nicht elektrifizierte Strecken, blaue Strecken sind stillgelegt. Quelle

... und ein kleines Kursbuch



Der Komplette Fahrplan von NSB Regiontog, zum Größenvergleich auf einem normalen A4-Papier.


Einige Bahnstrecken

Die Sørlandsbanen führt im Bogen an der Südküste entlang über Kristiansand nach Stavanger. Hier fahren die meisten Regiontogs auf den Distanzen Oslo S - Kristiansand und Kristiansand - Stavanger S, je ein Zugpaar am Tag und in der Nacht nehmen die komplette Distanz. Im Abschnitt zwischen Oslo S und Kongsberg und zwischen Stavanger S und Egersund fahren Lokaltogs.
Die Strecke könnte eigentlich ein bisschen mehr Verkehr vertragen als nur die Regiontogs, die ungefähr alle 2 - 3h mal fahren, immerhin verbindet sie drei große und viele kleinere Städte Norwegens. Nun ja, hinter Drammen beginnt halt das echte Norwegen, da wird so schnell nix mit Streckenausbau.

Die Bergensbanen führt einmal quer durchs Hochfjell von Oslo nach Bergen (korrekterweise muss man sagen, dass die Bergensbanen eigentlich erst in Hønefoss beginnt, weil die Strecke bis hierhin schon vor dem Bau nach Bergen existierte). Sie rühmt sich als höchstliegende Hauptbahn Europas (ein Superlativ, den die Norweger gerne ihren Touristen erzählen).
Ein bisschen Ruhm hat sie aber durchaus verdient, denn die Streckenführung ist schon was für sich. Über Rampen und Tunnel führen die Gleise von den Städten Oslo bzw. Bergen, die beide auf Meereshöhe liegen, bis ins raue Hochfjell der Hardangervidda. Finse, die höchste Station an der Strecke, liegt auf 1222m ü.NN. und rühmt sich als höchstgelegener Bahnhof Skandinaviens (Norweger lieben Superlative).
Befahren wird die Bergenbahn von Regiontogs mit unterschiedlichen Fahrtzeiten, da einige Züge an einigen Halten durchfahren. Täglich oder besser nächtlich fährt ein Nattog. In den Abschnitten zwischen Oslo S und Drammen sowie zwischen Bergen, Voss und Myrdal fahren Lokaltogs.
Im Jahr 2009 wurde die Bergensbanen 100 Jahre alt, was groß gefeiert wurde. Unter Anderem ist ein Film entstanden, der die kompletten 7h Fahrt eines Regiontogs zwischen Bergen und Oslo aus der Lokführerperspektive darstellt (Bergensbanen minutt for minutt). Der Film kam nachts im norwegischen Fernsehen (NRK) und soll ein großer Erfolg gewesen sein. Haben alle Norweger Schlafstörungen oder sind sie alle eisenbahnverrückt?!

Von Oslo nach Trondheim führen die Dovrebanen, die durch das Gudbrandsdal und entlang des Dovrefjells entlang verläuft, sowie die weiter östlich gelegene Rørosbanen, die durch das Østerdal verläuft. Während die Rørosbanen immernoch nur verdieselt ist und inzwischen mehr eine Nebenstrecke darstellt, wurde die Dovrebanen elektrifiziert und soll bis Hamar zweigleisig ausgebaut werden. Die alte Teilstrecke bis Eidsvoll ist teilweise zweigleisig ausgebaut, bis zum Flughafen Gardermoen ist parallel eine zweigleisige Schnellfahrstrecke für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit enstanden, die insbesondere vom Flughafenexpress Flytog genutzt wird.
Auf der Dovrebanen fährt zwischen Oslo und Eidsvoll der Lokaltog, außerdem Regiontogs auf der Gesamtstrecke sowie einige auf Teilstrecken. Die Rørosbanen wird nur zwischen Trondheim und Hamar vom Regiontog bedient, für den Anschluss nach Oslo muss man in Hamar warten.

Von Trondheim aus führt dann noch die Nordlandsbanen weiter Richtung Nordosten, 729km bis nach Bodø. Wer hier noch die volle Strecke mit dem Zug fährt, hat entweder riesige Flugangst oder ist enorm Eisenbahn- oder Norwegen-verrückt. Die komplette Fahrt von Trondheim bis Bodø dauert laut Kursbuch 9 Stunden und 35 Minuten.
Die Nordlandsbanen ist ziemlich eindeutig die längste Bahnstrecke Norwegens und wahrscheinlich eine der längsten Hauptbahnen Europas. Hier rollen ein Tag- und ein Nachtzugpaar des Regiontogs auf der vollen Strecke sowie einige auf einzelnen Streckenabschnitten. Außerdem gibt es regen Güterverkehr von mehren Erzminen und Holztransporte.

Daneben gibt es einige landschaftlich reizvolle Nebenbahnen, die zwei bekanntesten möchte ich auch kurz beschreiben:

Die Erste ist die Flåmsbana, eine 20km lange Stichstrecke von Myrdal an der Bergensbanen hinunter nach Flåm am Aurlandsfjord. Mittels 20 Tunnel wird ein Höhenunterschied von über 800m überwunden. Die Flåmsbana rühmt sich zu recht als aufregendste Bahnstrecke Europas, wodurch scharenweise japanische Touristen in Flåm aus dem Reisebus springen, um in je einer knappen Stunde nach Myrdal hinauf- und wieder hinunterzufahren. Natürlich tun sie dies nicht, ohne hunderte von Fotos und oder ganze Videodokumentationen aufzunehmen. Auf der Flåmsbana fahren Personenzüge mit E-Loks der Baureihe El 17 und einigen Waggons, die Fahrzeuge sind grün angestrichen und heben sich daher vom roten NSB-Fuhrpark ab. Den Betrieb auf der Strecke übernimmt die Flåm Utvikling AS, Strecke und Fahrzeugmaterial gehören den NSB.
Wie schon bei der Bergensbanen entstand auch auf der Flåmsbana nun ein Film in Lokführerperspektive - auch dieser wieder mit durchschlagendem Erfolg. Der Film lässt, sich, wie schon die Bergenbahn, kostenlos herunterladen.

Weil die Flåmsbana, wie beschrieben, sehr überlaufen und sehr teuer ist, verspricht eine zweite Bahnstrecke eine aufregende Fahrt, aber weniger Touristenrummel und einen länger anhaltenden Fahrtgenuss: Die Raumabanen, die in Dombås von der Dovrebanen abzweigt, um dann auf halber Strecke in Bjørli ins landschaftlich atemberaubende Romsdal zu biegen. Hier gibt es mehrere Brücken, Tunnel und einen Kehrtunnel. Auf der Strecke fahren Dieseltriebwagen vom Typ BM 93, die den deutschen Talent-Triebwagen (BR 644) entsprechen, als Regiontog. Godstogets gibt es nur wenige.
Leider habe ich es noch nicht geschafft, bis zu dieser sehenswerten Strecke vorzudringen.


Zugtypen

Regiontog: Die Regionzüge sind das wichtigste Geschäftsfeld, das noch direkt zur Norges Statsbaner (NSB) gehört. Norwegen selbst setzte in der Vergangenheit leider mehr auf Flugzeug und Auto, erst jüngst verschafft sich die Eisenbahn wieder als umweltfreundliche Alternative Gehör. Deshalb ist der Regiontog noch immer das Verkehrsmittel der Flugängstigen, der Touristen mit viel Zeit und der Eisenbahnverrückten. Doch Achtung: Das Streckennetz der NSB nimmt meist keine Rücksicht auf Menschen mit Tunnelangst. Wer welche hat, sollte die Landkarte studieren, bevor er sich in den Zug wagt.
Das Kernnetz des Regiontogs sind die Linien Lillehammer - Oslo - Skien und Oslo - Halden. Es sind die Regiontogs mit Taktverkehr (Stundentakt). Logischerweise erbringen sie daher auch fast 90% der gesamten Verkehrsleistungen. Das Netz wird auch "InterCity-Dreieck Norwegen" genannt, allerdings hat sich der Begriff InterCity nie als Zuggattung durchgesetzt. Nattog: Nachtzug fahren ist in Norwegen ganz einfach: Alle Nachtzüge der NSB fahren ungefähr 23:00 Uhr am Startbahnhof ab. Wer also etwas reiselustig ist, braucht nur abends um 11 auf dem Bahnhof Oslo Sentral über den Querbahnsteig zu laufen und sein Ziel auszuwürfeln. In den Sitzwagen bekommt man ein kleines eingeschweißtes Paket, in dem jeder Fahrgast eine Fleece-Decke, ein aufblasbares Kopfkissen sowie Ohropax und eine Schlafbrille findet, damit einen die Fahrt nicht stört.
Lokaltog: Die Nahverkehrszüge gehören zu einem Tochterunternehmen der NSB. Lokaltogs fahren nur dort, wo der Regiontog einfach zu faul ist, an jedem Haltepunkt zu stoppen. Das kommt natürlich nur in der Nähe der größeren Städte vor.
Flytog, am besten übersetzt 'Flugzug', heißt der Osloer Flughafenexpress von Oslo S zum etwas entfernter gelegenen Osloer Flughafen Gardermoen. Flytog ist gleichzeitig ein eigenes Unternehmen mit eigenen Zügen (etwas abgewandelte BM 73) und eigenen Preisen: Für die schnelle Fahrt im futuristischen Flytog zahlt man deutlich mehr als für die etwas langsamere Fahrt im Region- oder Lokaltog.
Godstog: Güterzüge gehören in Norwegen meistens zu CargoNet, einem Tochterunternehmen der NSB und der schwedischen Green Cargo. Außerdem fahren hier verreinzelt eigene Züge von Green Cargo, CargoLink und von Hector Rail, letztere kommt ebenfalls aus Schweden. Die Loks der CargoNet fallen durch ihr edles anthrazitfarbens bzw. silbernes Farbschema mit dem gelben CargoNet-Symbol auf.




Ich hoffe, die kleine Einführung hat ein wenig neugierig gemacht, doch nun zu den Bildern:


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