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Oslo T-bane

Die Osloer T-bane ("Tunnelbane") ist eine Mischung aus U- und S-Bahn. Sie entstand aus einzelnen Vorortbahnen, die vom Rand des Zentrums aus in die Vorstädte reichten und teilweise zum Straßenbahnnetz gehörten. Ab 1966 wurden sie schrittweise zu einem S-Bahn-Netz mit Stromschiene und niveaufreien Kreuzungen umgebaut. Wichtige Schritte waren die Fertigstellung des über Jahrzehnte entwickelten Ost-West-Tunnels, der heute die gemeinsame Stammstrecke aller Linien darstellt, und der Bau des Innenstadtrings. Heute ist die T-bane das schnellste und zuverlässigste Verkehrsmittel der Stadt, aber auch neben den Bussen eine ernsthafte Konkurrenz für die Straßenbahn. T-bane fahren macht Spaß, aber nach einigen Tagen klingt einem das Sirren der Züge in den Ohren, genau so wie das dørene lukkes (Türen schließen) vor der Abfahrt.

Vom Storting zum Frognerseteren

Mit vielen T-bane-Bildern kann ich noch nicht aufwarten, aber zumindest eine Reise auf der Holmenkollbanen ist möglich. Vom Zentrum der Großstadt geht es bei schönstem Winterwetter hinauf ins Skigebiet.
T-bane am Stortinget
An der Hst. Stortinget steigen wir ein. Diese liegt auf der Mitte des Innenstadttunnels und direkt unter der Osloer Hauptstraße Karl Johans gate, nebenan liegt das Parlament (Storting), das der Station den Namen gab.
Dørene lukkes, und es geht los. Mit einem Sirren setzt sich der weiße Zug in Bewegung und rast in den dunkeln Tunnel hinein. Schaut man einmal vom einen Ende des Zuges bis zum anderen Ende, merkt man erst, dass der Tunnel gar keine gerade Verbindung darstellt, sondern sich in einigen Kurven und Steigungen durch den Osloer Untergrund windet.
Nach einem kurzen Stopp am Nationaltheatret, wo man direkt in die gleichnamige Eisenbahnstation kommt, fährt der Zug eine lange Strecke durch den Tunnel. Kurz vor der Station Majorstuen bremst er meistens bereits ab, da es in Majorstuen oft zu kleinen Staus kommt. Dabei erblickt man im Tunnel die ehemalige Station Valkyrie plass, die heute geschlossen ist.
In Majorstuen erreicht die T-bane wieder das Tageslicht. Von hier aus verzweigen sich die Strecken in die westlichen Stadtteile.
TW 3385 Majorstuen
Ein Doppelzug aus zwei dreiteiligen Zügen auf der Linie 4 erreicht Majorstuen und fährt am Lokschuppen der alten Holmenkollbanen vorbei, der heute noch als Depot für Schneepflüge und andere Sonderwagen genutzt wird.

T1300 in Majorstuen
Im Februar 2009 fuhren noch die TW 1300 auf der Holmenkollenbanen und der Kolsåsbanen. Heute fahren nur noch die modernen MX-3000.

2 MX-3000 in Majorstuen
Zurück ins Jahr 2013: Im Gleisvorfeld, zwischen Bahnsteigen und Überwerfungsbauwerken, begegnen sich zwei Züge. Besonders bei Frost kommt es an den vielen Stellen, wo die Stromschiene unterbrochen wird, regelmäßig zu großen Lichtbögen. Osloer T-bane-Fahrer legen beim Überfahren der Unterberechungen nämlich nicht den Haupschalter um, wie es beispielsweise bei der Berliner S-Bahn gemacht wird.
T-bane auf dem Überwerfungsbauwerk Majorstuen
Ein Zug überfährt das Überwerfungsbauwerk, mit dem die Gleise der Strecken von und in Richtung Songsvann und Ring und das Gleis aus Richtung Holmenkollen überquert wird.
Nun beginnt die eigentliche Holmenkollbanen. Durch Stadtviertel mit hübschen Villen führen die Gleise, ebenerdig und mit vielen Bahnübergängen. Ein Umbau auf niveaufreie Kreuzungen war trotz der Komplettrevision der Strecke im Jahr 2010 nicht möglich. Auch eine Verlängerung der Bahnsteige kam nicht zustande. So reichen die Bahnsteige nur für zwei der drei Waggons eines MX-3000 aus, die Türen des letzten Wagens werden in Majorstuen abgeschlossen. Fuhr man durch den Tunnel noch sehr schnell, sinkt nun die Geschwindigkeit drastisch: Wegen der engen Kurven und der Steigung ist oft nur noch Tempo 30 möglich.
Langsam gewinnt die Strecke an Höhe. Die Häuser werden seltener, dafür sieht man jetzt mehr Fels und Wald. In Kurven schlängelt sie sich am Berghang entlang und gibt ab und an den Blick auf den Westen der Stadt frei, bis hinunter zum Oslofjord.
T1300 am Holmenkollen
Nch ein zweiter Rückblick ins Jahr 2009: TW 1318 erreicht die Station Holmenkollen. 2011, zur nordischen Ski-WM, mussten tausende Zuschauer zu den Wettkämpfen hier hinauf gebracht werden. Denn am Holmenkollen befinden sich die gleichnamige Skiflugschanze und die Strecken für den Skilanglauf. Um so viele Menschen aus der ganzen Stadt möglichst schnell hinauf zu den Wettkampfstätten zu bringen, reichen gerade so die Kapazitäten der T-bane-Züge aus. Deshalb wurde die Strecke bis 2011 rundum erneuert und die Hst. Holmenkollen erhielt als einizge Station Bahnsteige mit Platz für zwei dreiteilige Triebwagen.

T-bane an der Hst Voksenkollen
Ein Zug fährt auf die Hst. Voksenkollen, kurz vor der Endhaltestelle, zu. Von der pulsierenden Hauptstadt Oslo ist weit und breit keine Spur mehr zu sehen. TW 3005 schleicht durch den Nebel.
MX-3000 Porsche Design
Das Design der MX-3000 wurde übrigens bei Porsche entworfen, wie man stolz präsentiert. Die T-bane wirbt seitdem für neue Fahrer mit dem Slogan "willst du Porsche fahren?".
Aussicht vom Frognerseteren
Und dann sind wir auch schon oben am Frognerseteren, 470 Höhenmeter über dem Fjord. Leider kann ich aber nicht mit einem guten Foto von hier oben aufwarten.
Aber die Aussicht hinab auf die Stadt und den Fjord ist großartig. Und außerdem haben wir erst mal genug Winter gesehen, Zeit für ein bisschen grün.
Hier oben kann man Wandern, und im Winter Skilaufen oder rodeln. Letzteres ist im Übrigen ein besonderes Vergnügen, denn hier gibt es den Korketrekkeren (Korkenzieher). Das ist die originale Rodelbahn der Olympischen Winterspiele von 1954 in Oslo. Und als ob das nicht genug wäre, endet diese Strecke genau an der T-bane-Stasjon Midstuen, sodass man für den Weg hinauf nicht etwa den Schlitten ziehen muss, sondern zusammen mit vielen anderen Rodlern in die T-bane steigt. Die Osloer Verkehrsbetriebe setzen an Winterwochenenden sogar extra Züge ab Midstuen ein, um genug Platz für die Rodler zu bieten!

Holmenkollbanen fahren

2011, während der nordischen Ski WM in Oslo, nahm das norwegische Fernsehen eine Führerstandsmitfahrt auf der frisch eröffneten Strecke auf. Das kleine Video soll zumindest einen Vorgeschmack geben:

Wer die vollen 45min von Majorstuen bis zum Frognerseteren sehen möchte, ist hier richtig.


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