Johannes Ludwigs Website

Slowenien & Kroatien

Slowenien

Sloweniens Eisenbahnnetz ist gar nicht mal so schlecht. Durch österreichischen Einfluss recht früh begonnen, entwickelte sich ein hübsches Streckennetz, das für das kleine Land doch ganz ansehnlich ist. Aber wie auch in Norwegen ist die Topographie etwas hinderlich; Alpen und Karstgebirge versperren den Weg. Aber das macht ja nix, um so mehr Motive hat der Fotograf (:
Slowenische Züge sind grundsätzlich eines: Zugesprüht. Aber offensichtlich hat die Slovenske Železnice da kein Problem damit, sie wischt die Anschriften und Fenster frei und lässt den Rest dran. Vielleicht ist diese Taktik gar nicht mal so dumm, so gehen den Sprayern wenigstens nach und nach die frischen Flächen aus. Und vielleicht sind die Graffiti sogar eine ganz nette Auflockerung des sehr einfachen Farbschemas der Triebwagen (komplett rot, nur gelbe Türen).
Der Fahrzeugpark ist eine kleine Besonderheit, trotz Sozialismus und Ostblock begann man bereits in den 70ern, die alten Yugoslawischen (und älteren) Produktionen durch Westimporte zu ersetzen. So gelangten Loks von Alsthom, Ansaldo und sogar EMD oder auch Dieseltriebwagen von MBB nach Yugoslawien, die SZ setzt sie noch heute ein. Man stelle sich vor, die DR hätte Loks der BR 103 gekauft ...



Wocheiner Bahn (Bohinjska proga): Altehrwürdige Bahnstrecke

Die Wocheiner Bahn führte früher von Jesenice nach Triest und sicherte damit den Zugang des Kaiserreichs Östereich-Ungarns zum Triester Hafen. Durch die Geschichte wurde sie bedeutungslos und ist nur noch eine Nebenstrecke. 6 Personenzugpaare zwischen Jesenice und Sežana verkehren noch, außerdem gibt es Güterzüge, jedoch nur noch sehr selten ab Italien. Die Strecke ist eingleisig, verdieselt und eine gute Gebirgsstrecke, also alles, was sich ein Fotograf wünschen kann. Ich konnte leider nur in Bled einen Blick auf sie werfen, hätte gerne den ganzen Sommerurlaub zur Wandertour entlang der Strecke gemacht, aber da reden ja auch andere ein Wörtchen mit (:
Ich begann also, mich auf dem Bahnhof Bled-Jezero umzuschauen:


Tunnel
Am Westende des Bahnhofs beginnt direkt ein kurzer Tunnel.

Laderampe
Auf der Laderampe wird sogar noch Holz verladen und irgendwann mal abgeholt.

EG Bled
Das Empfangsgebäude wird gut in Schuss gehalten und zeugt von der einstigen Bedeutung des Bahnhofs für den Kurort Bled.

Bahnergarten
Neben dem EG ist noch ein gut gepflegter Bahnergarten zu finden

Schienen
Vom Bedeutungsverlust der Strecke zeugen wohl vor Allem die Schienen aus den 20er-Jahren. Die Strecke wurde 1906 eröffnet, 20 Jahre Später tauschte man schon diese Gleise aus, die nächsten 80 Jahre kein einziges Mal.

Bahnhofsausfahrt""
Östliche Bahnhofsausfahrt

Wie man sieht, besitzt der ganze Bahnhof keinerlei Formsignale, sondern nur ein paar Signaltafeln. Bevor ich mich darüber wundern konnte, wurde ich auch schon aufgeklärt: Ein Bahnhofbeamter lief aus dem EG und schwenkte eine Signalkelle, kurz darauf kam ein Güterzug mit einer G26 (EMD) heran:


G26 mit Kesselwagen

Nach diesem Zufallstreffer und dem Blick auf den Fahrplan mit den 6 Zugpaaren wurde mir klar, dass ich auf den nächsten Zug wahrscheinlich lange warten könnte. Also entschloss ich mich, meinem Fotografenglück auf die Sprünge zu helfen und das nächste Foto ausnahmsweise (im Normalfall tue ich das nicht!) vorauszuplanen.
Also zog ich abends los, mit Kamera und Stativ bewaffnet, um den letzten Zug nach Nova Gorica zu fotografieren. Obwohl ich wusste, dass ich früh dran war, ging ich sehr zügig, weil ich es nicht erwarten konnte. Oben am Bahnhof angekommen, setzte ich mich auf eine Bank und genoss erst mal die abendliche Ruhe. In der Bahnhofskneipe wurde gerade dichtgemacht, die Wirtin wischte die Fliesen und beäugte mich und meine Ausrüstung mit verwundertem Blick. Sie hatte ja auch völlig recht mit ihrem Blick, man muss schon ein wenig verrückt sein, um diese Zeit einen Bahnhof aufzusuchen . . .
22:33 Uhr war Abfahrt des Zuges. 5 Minuten vorher war bereits die Kamera aufgebaut. Zeit für einen Probeschuss auf das EG:


EG Bled-Jezero bei Nacht

Nach ungeduldigem Warten und der bangen Frage, ob ich mit meinem minimalen Slowenisch den Fahrplan richtig gelesen hatte, erlöste mich pünktlich 22:33 Uhr der Triebwagen und ich hatte Zeit genug für vier Schüsse, die alle gelangen.


Nachtfoto in der Totalen

Nachtfoto näher

Bei der Abfahrt winkte ich noch dem Lokführer, der mit einen kurzen Pfiff antwortete, bevor er mit seinem Dieselbrummer hinaus in die Nacht röhrte.
Mein erstes richtiges Nachtfoto war ein voller Erfolg und ich ging, schmunzelnd über den komischen Blick der Wirtin, zurück zum Zeltplatz.


Bahnstrecke Jesenice - Ljubljana: Hauptbahn.

Ursprünglich von Tarvisio in Italien her kommend, stellt die Verbindung schon immer eine der Hauptstrecken Sloweniens dar. Der Abschnitt Tarvisio-Jesenice verlor in den Wirren des ersten und zweiten Weltkrieg seine Bedeutung und wurde eingestellt und abgebaut, doch der Rest ist noch heute die Hauptachse für den Verkehr von Deutschland über Österreich nach Slowenien, Kroatien und Serbien. Entsprechend herrscht hier dichter Hauptbahnverkehr, leider hat man es aber noch nicht geschafft, ein zweites Gleis zu bauen. Bedarf wäre ohne Zweifel da.
Nach Motiven an der Strecke muss man wohl länger suchen, der Bahnhof von Medvode (zwischen Ljubljana und Kranj) taugt nur für ein paar Sichtungsfotos.


Desiro nordwärts
312-136 auf dem Weg nach Jesenice

Zugkreuzung
Kreuzung mit 312 - 122, der auf dem Weg nach Ljubljana ist.

Mein Eindruck von den Elektro-Desiros ist ein sehr guter, sie sind sehr laufruhig und in der slowenischen Version auch absolut hauptstreckentauglich. Warum man sich bei der DB Flops wie den Talent 2 oder den Lirex leisten muss, wenn es mit dem Elektro-Desiro oder dem Flirt erprobte Alternativen gibt, wird mir immer unverständlicher.


Zugkreuzung 2
312-129 Richtung Ljubljana (rechts) und 312-103 Richtung Jesenice (links) vor interessantem Wolkenhimmel.

Ljubljana - Landeshauptstadt?!

Die Slowenische Hauptstadt ist ein wahres Schmuckstück. Sie hat nur 270.000 Einwohner, dafür aber 50.000 Studenten und 27.000 freischaffende Künstler. Die Innenstadt ist ganz im Rennaissance- und Barock-Stil erhalten und gut gepflegt. Alles sieht sauber und schön aus, aber alles andere als hauptstädtisch. Ebenso verhält es sich mit dem Bahnhof, der noch nicht einmal den Titel "Hauptbahnhof" trägt, obwohl Ljubljana eine Vielzahl von Vorortbahnhöfen hat. Im Bahnhof Ljubljana treffen sich die wichtigsten Strecken des Landes, es geht geschäftig, aber entspannt zu.
Fotomotive sind spärlich zu finden, der Bahnhof eignet sich eher zum Sichtungsfuzzen. Um sich einen Eindruck von den Fahrzeugen der SZ zu machen, genügt das auch.


EMD G12
661-164, eine EMD G12, rangiert durch den Bahnhof.

Dieseltriebwagen
715-116, ein Dieseltriebwagen aus Yugoslawischer Produktion, wartet auf Fahrgäste. Sein Ziel ist wahrscheinlich Novo Mesto (Asche auf mein Haupt, ich hab das nicht mitgeschrieben).

Moses & Taps
Auch in Slowenien finden sich die Sprayer-Tags von Moses und Taps auf Fahrzeugen und Schallschutzwänden ...

Abgestellte G12
Eine weitere G12, 661-032, steht abgestellt auf einem Stumpfgleis. Die grüne Wiese um die Gleise herum sieht irgendwie gut aus.

E-Lok mit Kohlezug
Im Gleisvorfeld wartet 363-023 mit einem leeren Kohlezug auf die Weiterfahrt. Die Lok entspricht der französischen CC6500, ist jedoch abweichend für das Slowenische Stromsystem von 3kV Gleichstrom ausgerüstet. Die 39 Loks wurden 1975 bis 1977 bei Alsthom beschafft und leisten im Güterverkehr gute Dienste.
Portrait
Selbige Lok noch einmal im Portrait

Seitenansicht
Seitenansicht

Abgestellte Elok
363-016 auf einem der Abstellgleise hinter den Bahnsteigen

Desiro mit Graffitig
Am Bahnsteig steht 312-102 mit dem Fahrtziel "Nicht einsteigen" (;
Muss sagen, die Graffiti sehen gar nicht mal schlecht aus. So gut, wie diese Pieces gestaltet sind, gibts wohl Niemanden, der die Sprayer vor der Vollendung des Werkes verschreckt - nur ein armes Schwein, dass die Anschriften und Scheiben freiwischen darf.

Desiro mit Werbung
Mobilcom Debitel wirbt mit einem Blauen Desiro, der aufgrund der fehlenden Graffiti dann doch sehr deutsch wirkt. (312-017)

Mercedes
Ebenfalls hinten auf den Abstellgleisen steht 711-015, dem man seine deutsche Herkunft sofort ansieht. Er ist baugleich mit der DB-Baureihe 624, wurde aber fabrikneu bei MBB gekauft. Spitzname: Mercedes

Taurus bei der Bereitstellung
Am Bahnsteig nimmt 541 003 Aufstellung, um die Wagengruppe für einen IC hintendrangehängt zu bekommen. Links ein EC über Maribor nach Wien.

Beim rangieren
732-185 rangiert die Wagengruppe des EC.

Fabrikschild
Fabrikschild von 732-185

Moped vor dem EC
342 027, Spitzname "Moped", steht vor dem EC nach Wien. Die 40 Loks wurden 1968-1970 bei Ansaldo in Italien beschafft.

Rangierlok im Gleisvorfeld
Im Gleisfeld rangiert 643-034, die, wie ich herausgefunden habe, eine französische Produktion ist.

Taurus mit Güterzug
541-020, ein weiteres Stierchen, wartet mit dem nächsten Güterzug im Gleisvorfeld.

Ein Wort zum Slowenischen Fernverkehr


InterCitySlovenia

Das ist der InterCitySlovenia. Er ist, sagen wir mal, ein Versuch von modernem Hochgeschwindigkeitsverkehr: Er pendelt zwischen Ljubljana und Maribor, der zweitgrößten Stadt des Landes.
Doch der ganze Versuch ist eher lächerlich: Hier zu sehen ist einer der 3 (in Worten: drei!) Triebwagen der Baureihe 310, dem klassischen Pendolino von Fiat, wie er auch in Italien, Finnland, der Schweiz usw. fährt. Und man hat es noch nicht mal für nötig gehalten, die Nummer des Triebfahrzeugs auf die Front zu schreiben ...
Okay, 7 Zugpaare verkehren am Tag, im Sommer fährt eins davon von Ljubljana weiter bis Koper an die Adriaküste.

Du gehst an diesem dreiteiligen Versuch moderner Technik vorbei, schaust nach oben ...

Stromabnehmer

... und erblickst einen Scherenstromabnehmer! Autsch!
Liebe Slowenen, wenn ihr unbedingt modernen Fernverkehr machen wollt, dann lasst euch bitte nicht solche Fahrzeuge aufquatschen. Erinnert ihr euch? FIAT steht für Fehler In Allen Teilen!
Und wenn ihr dann was vernünftiges kauft (euere Tauri sind zum Beispiel eine gute Idee!), dann tut dies auch in einer vernünftigen Stückzahl und baut ein Liniennetz auf, das wirklich ein Netz ist. Danke.




Gleisvorfeld
Nach diesem Reinfall mit dem ICS gebe ich lieber noch einen Blick auf das östliche Gleisvorfeld.

Güterzug in Ljubljana-Tivoli
363-034 mit einem Containerzug aus Koper durchfährt den Haltepunkt Ljubljana-Tivoli, unweit des gleichnamigen Stadtparks.

Ljubljana besitzt auch eine Straßenbahn, Bilder befinden sich hier.


Kroatien

In Kroatien sind die Spuren des Yugoslawien-Kriegs in den 90ern noch nicht verschwischt. Zahlreiche Häuser tragen Einschusslöcher, ganze Dörfer bestehen nur noch aus verlassenen Ruinen. Auch heute noch sind die Verhältnisse um einiges ärmlicher als im Nachbarland Slowenien. Vielerorts sind nach dem Krieg begonnene Häuser zu sehen, die aus Geldmangel nie fertig gestellt wurden und nun unfertig herumstehen, ganz normal bewohnt werden, aber dem ganzen Land das Aussehen einer Baustelle geben.
Das ist das eine Gesicht Kroatiens. Das andere ist das der antiken und mittelalterlichen Stadtkerne, der Touristenattraktionen, der Nationalparks, Souvenirläden und Holiday-Resorts. Kurz: Das Kroatien des Reisekatalogs. Hier liegt das Kapital des Landes, doch im Baustellen-Kroatien kommt davon noch immer nicht viel an.
Die Bahn, die im Krieg ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde, gehört leider eher zum Baustellen-Kroatien. Der Tourismus braucht sie nicht und so kriegt sie auch kein Geld rein, um sich dem Tourismus besser anbieten zu können.
Dies ist mein Eindruck aus Zadar, wo ich einen Blick auf den Bahnhof warf. Vielleicht sieht es irgendwo besser aus, ich hoffe es.
Zadar ist eine Stadt mit 200.000 Einwohnern an der Küste Dalmatiens. Die Innenstadt gehört zum Reisekatalog-Kroatien, doch die Häuser der 200.000 Einwohner eher zur Baustelle.
Die Bahn erreicht Zadar von Osten her, als Stichstrecke, die in Knin von der Hauptbahn Zagreb - Split abzweigt. Damit ist der Weg nach Zagreb umständlich und viel zu lang.
Der Fahrplan ist ein Trauerspiel, er besteht aus ganzen 4 Zugpaaren, davon 3 von Zadar nach Knin und eines weiter bis Split.
Die Konkurrenz ist der Busverkehr; direkt neben dem Bahnhof liegt der Busbahnhof, der Verbindungen in alle wichtigen Städte des Landes anbietet. Hier ist viel Leben, viele Jugendliche fahren mit dem Bus durchs Land. Im Gegensatz zur Bahn profitiert der Busverkehr hier im Süden vom Tourismus.


Y1 abfahrbereit
Gegen 14 Uhr nachmittags steht der zweite Zug des Tages bereit zur Abfahrt nach Knin.
Der Triebwagen, 7 122 027, ist ein ehemaliger Y1 der Schwedischen Staatsbahn.

EG Zadar

Blick auf das Empfangsgebäude, oder das, was davon übrig ist. "Lagerhalle" trifft es wohl eher. Wie man hier ein wenig erkennen kann, wurde der Bahnhof von 5 auf 2 Bahnsteiggleise reduziert. Das Bahnsteigdach, das einmal existiert haben muss (Betonsockel auf dem Bahnsteig), fiel wahrscheinlich dem Krieg zum Opfer.



Fabrikschild
Fabrikschild des Triebwagens
Ungenutzter Bahsnteig
Der zweite, inzwischen ungenutzte Mittelbahnsteig, im Hintergrund die Ruine eines Bahnhofsgebäudes

Viel Bahnsteig, wenig Zug

Wie Hohn sieht nimmt sich der Blick vom Ende des etwa 200m langen Bahnsteigs auf die "Lagerhalle" und den kleinen Dieselbrummer aus. Das Gleis ganz links führt zum Güterschuppen undsieht aus wie irgendwann noch mal benutzt, der Zustand des Güterschuppens lässt aber keinen ernsthaften Güterverkehr mehr zu.




Kurzes Video von der Abfahrt des Zuges

Y1 wartet am Bahnsteig
2 Tage später schaute ich noch einmal auf dem Bahnhof vorbei, diesmal stand 7 122 023 da.


(Juli 2011)






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